Minimalistische Wohnformen testen – mit nur 111 Dingen im Gepäck

Jasmin Mittag hat sieben Jahre in ihrer 40m² Einzimmer-Wohnung in Hannover gewohnt. Die Wohnung hatte eine Badewanne, einen kleinen Balkon, eine großzügige Küche und war zentral nahe dem schönen Stadtwald gelegen. Die Minimalistin hat sich dort wohl gefühlt und wusste ihr eigenes Reich zu schätzen. Von den anderen Parteien im Haus kannte sie noch nicht einmal die Hälfte. Es war eben ein typisch anonymes städtisches Wohnen in einem Mehrparteienhaus.

Neue Formen des Zusammenlebens erproben

Ende des Jahres 2020 hat sich Jasmin kurzerhand dazu entschlossen, ihre Wohnung zu kündigen. Das besondere: Die freie Künstlerin und Aktivistin hatte nicht vor, sich eine neue feste Bleibe zu suchen. „Ich habe fast das ganze Jahr ohnehin nur im Home-Office gearbeitet. Von wo aus ich arbeite, ist gerade eigentlich völlig irrelevant. Also habe ich beschlossen eine Zeitlang als digitale Nomadin zu leben“, erzählt die Hannoveranerin. Ihr ist über das letzte Jahr hinweg zunehmend die Decke auf den Kopf gefallen. Dabei sei ihr klar geworden, „dass es nun auch darum geht, neue Formen des Zusammenlebens zu erproben.“

Jasmin setzt sich mit verschiedenen Projekten vor allem für die Themen bewussten Konsum, Minimalismus und Geschlechtergerechtigkeit ein. Zu ihrer täglichen Arbeit gehörten bis Anfang März 2020 vor allem Ausstellungen, Workshops, Diskussionsrunden und Vernetzungsveranstaltungen. Nun ist alles, was geht, in den digitalen Raum verlagert.  Zudem hat sie begonnen, minimalistische Selbstversuche durchzuführen, die sie in ihrem Podcast „Minimalismus JETZT!“ zusammenfasst.

Zu Anfang April 2021 hat Jasmin ihren Wohnungsschlüssel abgegeben. „Es war ein merkwürdiges Gefühl, aber es hatte auch sofort etwas befreiendes, dass ich nun nicht mehr an einen Ort gebunden bin“, erzählt sie. Ihr digitales Nomadentum verknüpft sie künftig mit Wohnexperimenten. Auf ihrer Liste stehen Wohn- und Lebensformen wie Tiny House, Kommune, Schweigekloster und Hausboot, die sie testen und von denen sie berichten möchte.

Co-Founder vom Alsenhof Manuel Dingemann und Irina Bartmann mit Jasmin Mittag

Angefangen hat sie mit dem Konzept des „Co-Living“ auf dem Alsenhof in Schleswig-Holstein. „Hier habe ich nach der Aufgabe meiner Wohnung direkt eine herzliche Gemeinschaft gefunden, denen Nachhaltigkeit wichtig ist, in die ich mich einbringen kann und die mich unterstützt.“ Die Aktivistin ist sichtlich begeistert: „Ich war nie der WG-Typ, aber Co-Living, wie es hier gelebt wird, ist eher mit partnerschaftlichem Wohnen vergleichbar.“

Bevor Jasmin die nächste Wohnform erprobt, wird sie ins Ausland reisen, um Co-Living noch an einem anderen Ort zu testen. In ihrem Rucksack hat sie nur 111 Dinge, die sie auf ihrer minimalistischen Reise begleiten werden – mehr braucht sie für die nächsten Monate nicht.

Mehr von Jasmin und ihrem Projekt unter:

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